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YASHICA 107 Multi Program – Multi gut!

Fast 2 Jahre ist es nun her, dass ich in einer kleinen westfälischen Stadt namens Bocholt meine Yashica 107 Multi Program gekauft habe. Äußerlich machte das Gerät einen tollen Eindruck, doch später zu Hause merkte ich, dass das Batteriefach völlig versifft war, da die Batterien ausgelaufen waren. Ein für mich typischer Fehler – das Batteriefach im Vorfeld nicht zu Prüfen, der mir rückblickend natürlich noch bis heute öfter vorkommen sollte und vorraussichtlich wird. Ein Grund mehr, seinen Ehrgeiz zu wecken und dem Gerät eine lokale Intensivreinigung zu spendieren – stets mit der Hoffnung im Hinterkopf, dass dieser Eingriff sich nicht zu einer Operation am offenen Herzen ausweiten würde.

 

 

Die YASHICA 107 MP, hergestellt in Japan, ist eine einäugige Spiegelreflexkamera, die ca. 1988 auf den Markt gebracht wurde. Sie trägt viele Namen: Yashica 107 Muli Program, Deawoo 107 MP, Revue AC 7, oder Yashica TR7000 Multi Program.

YASHICA selbst war zu dieser Zeit ein Markenname, denn bereits 1983 hatte die Kyrosera Corporation den Hersteller übernommen. Die 107 MP war die erste von drei aufeinanderfolgenden, manuell zu fokussierenden Kameras (107 MP, 108 MP und 109 MP), die einen eingebauten Motor und Programmautomatik, jedoch nur begrenzte manuelle Eingriffsmöglichkeiten boten.

Die ausgelaufenen Batterien zu entfernen, ist die eine Sache. Das Reinigen der Kontakte ist jedoch eine undankbare Aufgabe – vielmehr eine Strafe für meine vorherige Unaufmerksamkeit. Mit Mittelchen, Wattestäbchen, Pinzetten und Bürsten sowie einer Prise eingebildetem Erfindertum an Chemiecocktails, kam schließlich dann doch der ersehnte Zeitpunkt, an dem ich einen ersten Test auf „Wiederbelebung“ mit vier AAA-Batterien durchführen konnte. Grinsen beim ersten Anlauf: Sie lebt wieder! Zumindest hörte sich alles an wie ein „Wiederaufrappeln“ , gleich einem elektronischen Durchatmen nach einer viel zu tiefen Pause.

 

 

Operation gelungen, Patient lebt! Eine innere Freude, die als Sammler und Hobbyschrauber echt befriedigend sein kann – obgleich es diesmal zum Glück nur bei einer kleinen Sache blieb.

Eine Designikone ist die YASHICA 107 MP nicht. Vielmehr reiht sie ihre Optik in jene Zeitepoche der 80er und 90er ein, in der schwarzes Plastik, Automatikanwendungen und die großzügige Ergonomie dominieren wollen. Ich mag diese Zeit, besonders das „Kantige“ mit vielen Knöpfen und LCD-Displays. Die YASHICA 107 MP hat nur etwas davon, überzeugt aber vom ersten Moment an durch eine gut ausgewogene Haptik und einen tollen großen Sucher, der in meinem Fall blitzeblank und nahezu staubfrei ist. Auch der Auslöse- und Motorsound ist klasse und erinnert mich sofort an die Canon T50 aus dem Jahr 1983. Abgesehen davon, dass man bei der YASHICA 107 MP die Zeiten frei wählen kann und es ein sogenanntes „Muli Programm“ gibt, zählt sie wie auch die Canon T50 zu den Einsteigermodellen im Bereich der „modernen“ und elektronischen Spiegelreflexkameras, wo Spaß und Einfachheit den Anwender überzeugen sollen.

 

 

Funfact: Natürlich konnte die 107 MP (später in den 90er Jahren) auch noch sehr professioneller wirken. Ihre Technik und das Design waren tatsächlich die Grundlage für die Yashica Dental-Eye II, einer Makrokamera speziell für Zahnärzte zur Erfassung von Zahnbehandlungen.

Ich bestücke die Spiegelreflexkamera mit einem Discounterfilm meines Vertrauens. Alles an der YASHICA 107 MP läuft leichtgängig. Der Rückdeckel lässt sich sanft öffnen und ebenso wieder mit einem leisen Klick schließen. Der erste getätigte Druck auf dem Auslösknof nach Filmbestückung quittiert der Motorwinder, indem er mit drei weiter aufeinanderfolgenden Auslösungen den Film automatisch einzieht. Sehr elegant und souverän! Das spätere „Aufrollen“ des Filmes geschieht jedoch noch nach wie vor manuell durch die Kurbel. Das Objektiv besitzt eine YASHICA Linse: ML 50 mm 1:1,9 c. Gemessen an dem Gerät ist die Linse absolut in Ordnung. Bayonett: Contax/Yashica (C/Y)

 

 

Die YASHICA 107 MP hat in etwa den gleichen Kreuzzug des Ausprobierens erlebt wie die von Silke zeitgleich getestete Porst reflex cx6. Doch was kann denn nun die YASHICA 107 MP? Ich will ehrlich sein – sie kann viel und lieferte ab. Ob ein „Klick“ in Amsterdam in den Blumenfeldern oder ein „Klick“ in Duisburg – die YASHICA 107 MP überzeugte ohne Ausfälle.

 

 

Fazit: Mich hat das Gerät überzeugt. Nicht das höchste Niveau, aber grundsolide und zuverlässig. Kaum eine Kamera (mit Originalobjektiv) ist derzeit so günstig zu beziehen wie die YASHICA 107 Multi Program. Wer ernsthaft seine ersten Schritte mit einer analogen Spiegelreflexkamera wagen möchte, wird mit 25–40 EUR so viel mehr bekommen als irgendeine möchtegernhipstermäßige Kamera aus dem Designerladen. Die YASHICA 107 Multi Program hat unglaubliches Potenzial, egal ob man später nur Einsteiger bleiben möchte oder den Weg in eine Weiterentwicklung der Fotografie sucht. Mit ihr kann man nur gewinnen!

 

 

 

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