Agfa Optima Parat – Nur halbe Bilder!
Es gibt Kameras, die wollen unbedingt modern wirken. Und dann gibt es die Agfa Optima Parat. Sie sieht chic und Edel aus – als hätte damals bereits einen Trend für die Zukunft stattgefunden.
Die Optima Parat ist eine Halbformatkamera aus den 1960er-Jahren und damit ein ausgesprochen interessantes Stück deutscher Kamerageschichte. Ihr Prinzip ist ebenso einfach wie clever: Statt das komplette Kleinbildformat von 24 × 36 Millimetern zu belichten, nutzt sie nur 18 × 24 Millimeter. Das Ergebnis: Auf einen normalen 36er-Kleinbildfilm passen bis zu 72 Aufnahmen. Damals wie heute eine ziemlich sympathische Idee – besonders für Fotografen, die gerne und viel auf den Auslöser drücken.
Agfa gehörte in Deutschland zu den großen Namen der Fototechnik. Einen wichtigen Meilenstein setzte das Unternehmen 1959 mit der ersten Agfa Optima. Sie war eine der Kameras, die das Fotografieren deutlich vereinfachen sollten. Eine automatische Belichtungssteuerung nahm dem Fotografen einen Teil der technischen Arbeit ab.Die Idee dahinter war geradezu revolutionär für die damalige Zeit: Man sollte sich stärker auf das Motiv konzentrieren können und weniger auf Tabellen, Belichtungszeiten und komplizierte Einstellungen. Einige Jahre später wurde dieses Konzept mit verschiedenen Optima-Modellen weiterentwickelt. 1963 erschien die Optima Parat, die das Optima-Prinzip mit dem Halbformat verband. Damit war sie nicht einfach nur eine verkleinerte Kamera, sondern eine interessante Kombination aus Automatik und Filmsparsamkeit.
Und „filmsparsam“ ist in der heutigen Zeit durchaus wörtlich zu verstehen. Wer sehr viel mit analogem Film fotografiert, weiß: Jeder zusätzliche Auslöser kostet Geld. Die Parat sagt dagegen freundlich: „Keine Sorge, ich mache aus einem Film einfach zwei.“Beim ersten Umgang mit der Kamera merkt man schnell, dass hier eine andere Philosophie herrscht als bei vergleichbaren Fotoapparaten aus gleicher Zeit. Massiv im Gewicht und nahezu unkaputtbar für die Zukunft gebaut.
Die Optima Parat besitzt ein Agfa Color-Solinar 30 mm f/2,8. Die Entfernung wird nicht über einen Autofokus bestimmt, sondern anhand von Entfernungseinstellungen beziehungsweise Symbolen. Die Belichtung übernimmt eine Selenzelle, sofern diese nach all den Jahrzehnten noch zuverlässig arbeitet.
Man schaut sich sein Motiv an, schätzt die Entfernung und achtet im inneren des Suchers wie eine kleine Scheibe auf grün wechselt. Jetzt drückt man ab. Mehr ist nicht nötig. Die Kamera diskutiert nicht. Doch ist das Halbformat nun genial oder doch nur halb so gut? Genau hier scheiden sich vermutlich die Geister. Das kleinere Negativ bedeutet, dass man gegenüber einer normalen Kleinbildkamera bei starken Vergrößerungen gewisse Einbußen bei Detailauflösung hinnehmen muss. Dennoch, mit dem was sie macht, ist sie ernst zu nehmen! Die Qualität ist überraschend gut!
Ihre Stärke liegt im Alltag und im Spaß! Halte ich sie im Querformat macht sie Hochkant Bilder. Halte ich Hochkant gibt’s ein Querformat. Es gibt einige interessante Techniken die bei der Fotografie umgesetzt werden könnten. Zum Beispiel die Möglichkeit, zwei Bilder als zusammengehöriges Paar zu denken. Erst das Gebäude, dann der Mensch davor. Erst die Landschaft, dann das Detail. Links die Ursache, rechts die Wirkung. Die Halbformatkamera produziert damit fast automatisch kleine Bildgeschichten den auf dem einzelnen Foto sind logischerweise immer 2 Bilder drauf! Ich habe für diese Rezension diese Möglichkeit nicht umgesetzt. Vielleicht ein Grund dieses Apparat nochmals zu nutzen?
Die Optima Parat ist trotz ihres Alters keine belanglose Plastikkamera. Ihr Gehäuse vermittelt noch dieses typische Gefühl alter Kameratechnik: solide, mechanisch und ein nahezu unverwüstlich. Herausstechend natürlich Ihr eigenständiges Erscheinungsbild. Funfakt: Durch ihr silbriges bzw. verchromtes Äußeres wird die Agfa Optima Parat auch gerne als „Silberfisch“ bezeichnet. So erhielt sie vom Volksmund einen besonderen Charme, den man bei vielen ähnlichen Modellen aus der damaligen Zeit vergeblich sucht..
Allerdings sollte man beim Kauf eines solchen Klassikers realistisch bleiben. Eine Kamera aus den 1960er-Jahren kann technisch hervorragend erhalten sein – sie kann aber genauso gut eine längere Liste altersbedingter Beschwerden mitbringen. Belichtungsmesser, Verschluss, Filmtransport und Objektiv sollten deshalb unbedingt überprüft werden. Meine Agfa Optima Parat hatte leider so mache Aussetzer. Sobald ein Film eingelegt war und die Kamera eine Zeit nicht benutzt wurde, öffnete sie nicht mehr ordnungsgemäß. Mit sanften Stößen konnte ich sie jedoch wieder überzeugen.
Glaubt mir eins: Es sind eine Menge unfreiwillige und gruselige Selfies entstanden. Allzugerne habe ich aus unterschiedlichen Winkeln prüfend jedoch leicht genervt in die Linse geschaut um zu sehen ob diese nun wieder funktioniert! Auch die Selenzellen sind heute ein kritischer Punkt! Wunder dürfen nicht erwartet werden! Wenn die Automatik nach über einem halben Jahrhundert jedoch noch korrekt arbeitet, darf man das ruhig als kleinen Triumph deutscher Ingenieurskunst feiern.
Fazit:Die Agfa Optima Parat ist für mich ein schönes Beispiel dafür, dass eine technische Einschränkung nicht zwangsläufig ein Nachteil sein muss. Sie ist nicht die Kamera für denjenigen, der jedes Detail selbst kontrollieren möchte. Sie ist auch nicht die richtige Wahl, wenn es ausschließlich um maximale Qualität geht. Aber sie ist eine charmante, ungewöhnliche und historisch interessante Kamera, die das Fotografieren auf das Wesentliche reduziert. Die Optima Parat erinnert daran, dass Fotografie früher nicht bedeutete, möglichst viele Einstellungen vorzunehmen. Und vielleicht liegt genau darin ihr größter Reiz. Heute fotografieren wir mit Kameras, die problemlos tausende Bilder speichern können. Die Agfa Optima Parat schafft auf einem Film zwar bis zu 72 – dafür hat jedes einzelne davon eine besondere Bedeutung! Oder, um es mit einem kleinen Augenzwinkern zu sagen: Sie macht nur halbe Bilder – aber dafür doppelt so viele.



