35mm,  André,  Konica,  Spiegelreflex

Konica FS-1 – Die Dramaqueen

Manchmal habe ich das Gefühl, dass Fotoapparate ein Eigenleben führen. Besonders die Konica FS-1. Und nein, ich bin nicht durchgeknallt. Die Konica FS-1 scheint mir das Sensibelchen unter den (älteren elektronischen) Spiegelreflexkameras zu sein. Äußerlich stark wie ein Boxer, dem man auf dem ersten Blick mehr Stärke als ein ständiges Jammern oder Klagen zutrauen würde. Zugegeben, meine These ist weit hergeholt, aber die Konica FS-1 ist schon etwas anders.

Als weltweit erste Spiegelreflexkamera mit einem eingebauten bzw. integrierten Mikromotor für den Filmtransport war die Konica FS-1 1979 eine echte Sensation. Dazu gab es noch einen elektronisch geregelten Verschluss, den automatischen Filmeinzug (Autoload) und die Möglichkeit auf Blendenautomatik.

 

 

Das nahezu volle Programm ausprobieren zu können, hatte mich schon länger mit der Konica FS-1 liebäugeln lassen. Dann kam der Tag, an dem ich ein solches Gerät auf meinem Tisch stehen hatte. Welch eine Vorfreude! Das Gerät liegt super in der Hand – macht richtig was her, mehr schlicht, und wirkt vor allem alles andere als billig. Neue Batterien rein, Check! Schnell entnahm ich einer älteren Konica ihr Hexanon-Objektiv, und mit der passenden Einstellung auf AE kam ich meinem aktuellem Wunsch nach dem „Manuellen Scharfstellen und einfach nur Knipsen“ immer näher.

 

 

Doch die Vorfreude hielt nicht lange. Die Elektronik weigerte sich beharrlich, den Film richtig zu laden. Nach mehreren Versuchen klappte es doch, aber danach reagierte der Auslöser nur noch nach seinem Ermessen. Nach ein paar An- und Abschaltungen und einem fragwürdigen bzw. hilflosen Schütteln meinerseits ging die Konica FS-1 schließlich in einen Vollstreik, der mit meinem „Hinzutun“ so nicht beendet werden konnte.

Zu lange hatte ich mich bereits mit dem Gerät ohne Erfolg beschäftigt. Ich gab auf und legte das Gerät ernüchtert an die Seite. Genauer gesagt kaufte ich mir kurze Zeit später auf einem Flohmarkt ein zweites Exemplar. Dieses Gerät war weniger anfällig, und so wurde meine „neue“ Konica FS-1 vom Flohmarkt die Begleiterin für die Fototouren am Medienhafen in Düsseldorf und Duisburg. Das ganze Unterfangen dann leider wieder mit neuen Aussetzer und Zickereien, auf die ich in dieser Rezension dem (Fotografen)Frieden willen nicht weiter eingehen möchte.

 

 

Interessanterweise hatten die ständigen Unannehmlichkeiten im Nachgang gar keinen echten Einfluss auf die Negative. Als ich die entwickelten Fotos beim Discounter abholte, viel mir jedoch Folgendes auf: Die Farben auf den (Papier)fotos waren bleich und teilweise sehr stark überbelichtet. Die eingescannten Bilder, die man heute gratis beim Discounter automatisch per Download dazu erhält (jedoch nur mit einer geringen Auflösung) , waren in Farbe kräftig und nicht überbelichtet. Auf dem heimischen Scanner wirkten die Negative jedoch mehr neutral – also akzeptabel- eine Mischung aus beiden vorherigen Ergebnissen. Was war geschehen? Ich gestehe, ich habe keine Ahnung, wo der Fehler zu suchen ist.

 

 

Funfact: Die „alte“, in den Streik getretene Konica FS-1 scheint mangels Beachtung wohl ihre inneren Ressourcen zur Selbstheilung aktiviert zu haben, denn beide Geräte funktionieren nun so, als wären Zicken, Aussetzer und Eigenleben nur eine Wahnvorstellung des Anwenders .

FAZIT: Eine funktionierende Konica FS-1 ist eine durchaus gute Mittelklasse SLR. Wer eine findet sollte sich glücklich schätzen. Sonst sind Geduld, Glück und gute Nerven eine zwingende Voraussetzung des Anwenders. Die Elektronik ist und bleibt Ihre Achillesferse. Unverhofft aber dafür garantiert, wird Sie eines Tages Ihre unendlichen Tragiken mitteilen wollen. Und dann wird echt nervig. Die Resultate sind absolut in Ordnung, auch wenn mir persönlich die Schärfe auf den Bildern etwas zu kurz kommt. Aber das ist dann tatsächlich mal ein reiner Anwenderfehler! Wer also Lust auf gute Bilder und einer zukünftigen Dramaqueen hat wird mit der Konica FS-1 bestens bedient werden.

 

 

 

Hinterlasse doch einen Kommentar :-) / Achtung: Freigabe nach Prüfung!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert