Ensign Ful-Vue â Lomography von damals
Ich bin perplex! Eigentlich habe ich in meinem BĂŒchlein (somit auch Oldschool: handschriftlich đ ) schon mit einer anderen Rezension begonnen… Bis mich die Negative bzw. auch Scans dieser Ensign Ful-Vue erreichten!
Ich bin platt! By the way war ich das ja schon beim ersten Film. Und dass diese Kamera von mir sogar ein zweites Mal bestĂŒckt wurde, sollte schon so einiges erklĂ€ren! đ
HĂ€tte mich diese einfachste Boxkamera nicht so geflasht, hĂ€tte ich garantiert keinen zweiten Mittelformat-Film investiert… Und da beide Ergebnisse echt gut sind, muss die andere Rezension emotional leider gerade zurĂŒckstecken und hinten anstehen đ
Die erste Serie, die ich mit der Ensign Ful-Vue auf der Kirmes in Crange geschossen habe, hat mir wirklich Freude bereitet und auch die Ergebnisse lösen GlĂŒcksgefĂŒhle aus! Ich hatte nicht umsonst Zeit, Geduld, Geld und SpaĂ investiert! Und mit dieser Euphorie bin ich doch direkt schockverliebt in diesen alten Fotoapparat (ĂŒbrigens auch auf jenem Flohmarkt in den Niederlanden ergattert âwo alles begannâ! đ ).
Erster Versuch mit der Ensign Ful-Vue also mit dem Foto-Club beim Aufbau der Cranger Kirmes (gröĂte in NRW wie man munkelt đ ). Aufbau ist gut… Wir waren an an dem Sonntag vor der (inoffiziellen) Eröffnung am Donnerstag dort. Und was soll ich sagen? Es stand ja schon alles…! Hier und da wurde noch ein bisserl geputzt â und das war`s dann auch schon. Kaum groĂe GerĂ€tschaften und agiles Personal mehr… Solltet Ihr dies dort planen: Macht es frĂŒher als wir đ
Aber was ich dort schon mal mit dem Umgang der Kamera gelernt habe: Den Bildausschnitt, den man durch den Lichtschacht der Ensign Ful-Vue sieht, entspricht tatsĂ€chlich dem, was nachher auch auf dem Negativ abgelichtet ist. Ihr könnt Euch wirklich daran orientieren. Die Brennweite geschĂ€tzt? Sehr hoch. So 105mm? Verzeiht mir mein Laien-VerhĂ€ltntis đ Ich hatte nie ein Objektiv zum Vergleich dabei… Aber beim Kölner Dom musste ich ein ganzes StĂŒck Richtung StraĂe zurĂŒck, damit ich die Szenerie ĂŒberhaupt einigermaĂen eingefangen bekam.
Wie ich eigentlich zu der Ăberschrift der Ensign Ful-Vue gekommen bin? Ganz einfach: Ihr habt Null (!!!) Einstellungsmöglichkeiten an diesem alten Fotoapparat! Keine Objektscharfstellung, keine Zeit- und Blendenwahl! Man fotografiert kontinuierlich mit der Blende 11 und 1/30stel. Keine Gedanken machen. Auslösen.
Bzw. lĂŒge ich soeben. Man kann diese Kamera auch im „Bulb“ nutzen. DafĂŒr muss der Hebel dann auf „Time“ stehen!
Somit ĂŒberlegt Euch, mit welcher ISO Ihr demnĂ€chst unterwegs seid. Eure einzige flexible Komponente!
Ich möchte wohl noch anmerken, dass Ihr trotz der 11er Blende (und damit hoher TiefenschĂ€rfe) nicht zu nah an Euer Motiv heran könnt! Hier war ich vielleicht so 2m von der Gondel entfernt. Das scheint die Ensign Ful-Vue nicht zu packen…
Mit dem Ilford XP 400 war ich mir bei relativ bewölktem Wetter in Köln, sowie dem Kodak 100 in Crange bei brutalstem Sonnenschein fĂŒr mich recht sicher. Aber dass dieses Treppenhaus mit Anlehnen der Ensign Ful-Vue an die GlaseingangstĂŒre von auĂen so gut ausgeleuchtet und auch scharf ist, hat mich selber ĂŒberrascht (und wirklich erfreut!).
Denn die 1/30stel Belichtungszeit ist natĂŒrlich schon eine Herausforderung der ruhigen Hand (klappt nach nem Kölsch besser đ ). Auch ein Auflegen der Kamera auf den Boden ist kein Garant (wie in Köln am Dom)! Daher ein Tipp meinerseits: Der Auslösehebelweg ist sehr lang!!! Alleine das ist schon die Verwacklungsgefahr! Solltet Ihr also ein Motiv anvisiert haben (wie ich an der Kreuzung in Köln…. Wartend darauf, dass die zehnte gefĂŒhrte Tourigruppe den Bereich mal verlĂ€sst… Ich schĂ€tze eine Aufenthaltszeit von mindestens 15 min fĂŒr ein unspektakulĂ€res Foto), drĂŒckt den Hebel schon mal sehr weit herunter fĂŒr den letzten âAbschussâ! Testet dies vorab ein paar Mal ohne Film, damit nicht zu viele Ausfalltreffer entstehen đ
Oder aber auch ist die Belichtungszeit ein Stilmittel! Bei den Basketballern habe ich genau das erhofft – jedoch zusĂ€tzlich selber verwackelt đ
Des Weiteren: Beim Einlegen des Mittelformat-Filmes solltet Ihr nicht fahrig sein! Nehmt Euch die Zeit. Achtet drauf, dass er mit der rechten Seite ordentlich in der FĂŒhrungsschiene sitzt. Alles, was Ihr anfangs schludert, kann Euch SchĂ€rfe kosten! Beim zweiten Film war ich sogar so penibel, dass ich die beiden Spulen fĂŒr eine maximale Spannung quasi gegeneinander gedreht habe!
Wenn man denn erstmal soweit kommt… Denn das Ăffnen der Ensign Ful-Vue hat mich schon Nerven gekostet. Ich habe schön an der linken Seitenwand geruckelt, an der das RĂ€dchen zum Ăffnen und SchlieĂen ist… Kann man gerne lĂ€nger machen und daran verzweifeln… Oder einfach versuchen, die gegenĂŒberliegende Wand mal abzunehmen đ Man wird paranoid đ
Den SW-Film habe ich diesmal direkt in Köln beim Kameradealer abgegeben. Wenn man schon mal ums Eck ist đ Danke fĂŒr den guten Service đ
Pro Film 12 Fotos von 9×9 cm, die jeden mm bzw. Pixel wert sind! Tut`s!! Wie sagt Andre doch so schön: Der SpaĂ am Unperfekten!
Hier mein Wort zum Sonntag: Ihr könnt bei der Ensign Ful-Vue NICHTS entscheiden und doch GAAAANZ viel von ihr erwarten!!!
P.S.: Bei der GröĂe und dem minimalen Gewicht könnt Ihr das kleine Dingen eh fĂŒr Experimente mal einpacken đ
Die nackten Fakten zur Ensign Ful-Vue:
Hersteller Ensign, Baujahr von 1946-50 (mein Modell), Filme: Bunt= Kodak Ektar 100/ SW= Ilford XP 400



