35mm,  André,  Review,  Revue,  Silke,  Spiegelreflex

Revueflex 1001/2002 – Das fragwürdige Battle

Wenn sich zwei Fotoapparate sehr ähneln, haben sie unserer Meinung nach ein enormes Potenzial für ein kleines, friedliches Battle. Die Rede ist von zwei Spiegelreflexkameras aus dem Hause Foto-Quelle: Der Revueflex 1001 und 2002.

Foto-Quelle Nürnberg, das sich selbst als „größtes Fotohaus der Welt“ bezeichnete, war einst ein Versandhandel, der Fotoapparate in asiatischen, russischen oder deutschen Fabriken (GDR/BRD) produzieren ließ, um diese später unter dem Handelsnamen „Revue“ zu vermarkten. Die Eigenmarken folgten einem einfachen Prinzip: Gute Qualität, fast uneingeschränkter Vergleichsschutz durch Facelift (des Originals) und Namensgebung sowie akzeptable Preise. Der eigentliche Versandhandel Quelle, welches sich zu dieser Zeit als ein wahres Imperium entpuppte übte durch Ratenzahlung und Garantieversprechen einen zusätzlichen Anreiz aus.

Revueflex 1001, das Basismodell dieser Baureihe, in Japan von Chinon hergestellt und 1976 von Foto Quelle in Deutschland eingeführt. Mit einem einfachen M42-Objektiv (1:2,8 f=50 mm) und einem integrierten Belichtungsmesser waren alle Parameter gegeben, um endlich Besitzer einer Spiegelreflexkamera zu werden.

Die Revueflex 2002, das „erweiterte“ Modell war optisch nahezu gleich. Neben einem integrierten Batteriekontrollsignal gab es am Body zusätzlich auch einen Hebel der eine Mehrfachbelichtung ermöglichte. Das Objektiv hatte auch ein M42 Gewinde, jedoch war es etwas lichtstärker. 1:1,7/55

 

 

 

Beworben wurde beide Systeme damals natürlich unterschiedlich. Das eine System als bester Start in die Fotowelt, das andere als erweiterte Variante für den ambitionierten Fotografen: „Jedem Tierchen sein Pläsierlichen“ den die Qual der Wahl wurde stets dem potentiellen Kunden überlassen.

 

Abgesehen vom Objektiv unterscheiden sich die 2002 lediglich durch einen zusätzlichen Doppelbelichtungs- und Batteriecheck-Schalter.

 

Heute lagen beide Geräte nach zwei unterschiedlichen Flohmarktfunden in einem noch guten Zustand auf unserem Tisch. Die Idee des Battle war geboren. Wir diskutierten, ob später sichtbare Unterschiede auf den Fotos festzustellen sind. Die technischen Details ergaben stets ein Wechselspiel von Pro und Contra. Bevor ein neuer Film im Inneren Platz fand, absolvierten wir die ersten Trockenübungen, die auf Anhieb vielversprechend waren. Schöne Voraussetzungen für ein fairen Vergleich.

Der inoffizielle Start erfolgte mit weiteren Fotoapparaten in Budapest, einer Stadt die dem Reiseführer zu folge ein breites Spektrum an Fotomotiven bieten sollte ………

 

 

Zunächst pimpte ich die Revueflex 2002 mit einem nostalgischen Lederband. Das sah zwar authentisch aus, war aber schnell nervig, sodass ich mich später für ein modernes Tragesystem entschied. Entgegen Silkes Art verwendete ich sogar den Belichtungsmesser. Nach der Bestromung einer 675-Knopfzelle ist die Funktion recht einfach: Ich spanne den Film, drücke den Auslöser ein Stück weit herunter und tadaa – die Nadel bewegt sich. Jetzt muss nur noch die Blende und Zeit justiert werden, bis sich die Nadel mittig befindet. Nach der Scharfeinstellung darf dann auch ausgelöst werden! „Anfängerbegeisterung” könnte es in Silkes Kopf unausgesprochen heißen! Für mich ist es aber vielleicht doch eher die Lust auf eine analoge Belichtungsmessung, die bis heute noch tadellos funktioniert. Ich persönlich finde die Revueflex 2002 auch richtig schön. Auch wenn der stark gerundete Prismensucher auf manchen Betrachter einen komischen Eindruck hinterlässt. „Belugawal” oder „Delfinkopf” könnte man es tatsächlich treffend formulieren. Die Revueflex 2002 hat auch ein ansprechendes Gewicht, das mir haptisch sehr entgegenkam.

Gegen meinen Bauch pendelnd, startete der Fußmarsch kreuz und quer durch Budapest. Eine tolle Stadt, in der die bekannten Fotomotive sehr stark von Touristen frequentiert werden. Minimalismus ist hier nur zu bestimmten Tageszeiten möglich. Weite Sichtachsen und wenige Menschen sind in Budapest nicht sofort umsetzbar. Es ist alles sehr schön, aber auch sehr groß und damit für mich leider schnell erschlagend. Mein erstes Foto vor Ort zeigte jedoch eine nostalgische Straßenbahn unweit des schicken Palasts. Das gefiel mir gut und meine Freude am Gerät wuchs. Danach folgten die typischen Brücken und ein paar überdimensionierte Monumente. In einer U-Bahn-Station begann jedoch das Leid, das die beginnende Freude schnell trübte. Die Kamera hing beim Auslösen und ich wusste einfach nicht, was konkret geschehen war. Ein neues Spannen war zwar möglich, doch darauf folgte ab und zu ein weiteres Hängen. Dieses falsche Spiel kam stets aus heiterem Himmel. Das Gute daran war aber das Silke bereits mit Ihrer Revueflex 1001 gleiche Erfahrungen machte. Das hob zwar nicht die Stimmung aber geteiltes Leid ist zumindest das halbes Leid. Wieder zu Hause war der Schrank ein längerer Aufenthaltsort beider Revueflexen.

 

Kleine Bildergalerie der Revueflex 2002

Stets haderte wir damit, die restlichen offenen Bilder kurzfristig zu belichten. Einen Abschluss gab es dann für mich und der Revueflex 2002 aber doch. Ganz ohne Herumgezicke! Es sollten Hühner und Blumen auf einem Bauernhof werden. Wer einmal Futter für die Hühner aus einem umgebauten Kaugummiautomaten gezogen und sich das Spektakel der Hühner zu Gemüte geführt hat, weiß, dass die Fotografie unabhängig von der Kamera noch größere Herausforderungen bereithält als ein kleines Hängen moralisch zu überwinden.

 

Geflucht haben Andre und ich…! Mal parallel, mal nacheinander: „Echt jetzt?! Schon wieder?!“
Beide Kameras blieben (un-)regelmäßig hängen! Egal bei welcher Blende oder Belichtungszeit – es gab keinen roten Faden des Problems zu entschlüsseln…
Auf dem gesamten (36er) Film ist es mit „meiner“ Revueflex 1001 fünf Mal passiert, dass der Spiegel beim Auslösen oben blieb. Gelöst hat sich alles erst wieder beim erneuten Nachspannen.
Die restlichen Fotos versöhnen mich jedoch extremst mit der Revueflex 1001 und dem Auto Flex (f=50mm, 1:2,8) auf dem Kodakt Gold 200, dessen Schärfe beachtlich ist! Jut – wir hatten auch super Sonnenschein in Budapest, so dass sich scharfe Kanten abzeichnen konnten. Aber auch die U-Bahn-Bilder sind gut geworden! Dabei schon mal erwähnt: Andre hat seine 2002er MIT Belichtungsmesser genutzt und ich das Vorgängermodell OHNE!

Optisch ist die Revueflex nicht meins. Obwohl extremst tierlieb, kann ich dem Buckelwal über dem Objektiv nichts abgewinnen. Aber dafür hat die Kamera einen guten Charakter – zumindest meistens. DIE Kamera: Hier und da sind Zickereien anscheinend nicht ausgeschlossen 😉 😉
Sie (bzw. das Objektiv) kann mehr, als es ich der Kombi zugetraut hatte. Besonders die Wiedergabe der Stoffbahnen der Kunstinstallation auf der Halde Norddeutschland in Neukirchen-Vluyn beeindrucken mich! Trotz einsetzender Dunkelheit kann man die Tücher schon fast in ihrem Material fühlen 😉

 

Da zu den Revueflexen (technisch) in der Einleitung schon alles beschrieben wurde (einfachstes Spiegelreflexhandling mit Bleden- und Zeitkombination ohne Schnickschnack), kann ich hier ein paar Anekdoten zu den Fotos raushauen 😉
Zur besagten Halde sind wir z.B. hauptsächlich gefahren, weil diese Kunstinstallation abends als beleuchtet angepriesen wurde. Für gewöhnlich steht dort oben „nur“ ein Hausgerippe aus Metallstreben. Nun also mit Stoffbahnen bestückt und angestrahlt. Andre hatte irgendwann die Position für sein Stativ gefunden – genau wie viele andere Fotografen auch – und wartete bei einsetzender Dämmerung auf das Einsetzen der Leuchtmittel… Nichts passierte. Neben uns bereits Sprüche wie: „Hat jemand schon den Lichtschalter gefunden?!“ 😉
Bis irgendwann die Erkenntnis kam „Ich glaube, das wird heute nix mehr!!“ und alle ihre Stative zusammenklappten. Auch mir wurde es zu bunt/zu spät und ich schlenderte näher am Häuschen entlang. Dort sprang mir auf einem kleinen Metallkästchen ein noch kleinerer Aufkleber ins Auge: „Wegen Brandgefahr wird die Installation nicht mehr beleuchtet.“ Läuft… Danke für nichts 🙁 Keine Info im Netz. Wir waren ja augenscheinlich nicht die einzigen Dummen…

Nächster Fauxpas mit der Revueflex 1001. Das Gute vorweg: Man bewegt sich viel bei dem Hobby Fotografie für die Motivsuche. So sind Andre und ich schon in Wuppertal in einem Hindu-Tempel gelandet, als wir einfach nur in einen Hinterhof geschaut haben! NICHTS ließ von der Straße aus darauf schließen! Andre reagierte einfach nur auf ein riesiges Elefantenbild an einer Häuserfassade, das zwischen „normalen“ Wohnhäusern durchblitzte. Der Blick schweifte nach links und Schwupps stehen dort Frauen im Sari zwischen Garagentoren. Freundlichst werden wir empfangen (es stellte sich heraus: Auch wegen unseren Kameras: Man glaubte, wir seien von der Presse 😉 ) und in den Tempel geführt werden, der sich tief und hoch in das Gebäude erstreckt, was von außen nicht im geringsten zu erahnen ist!!! Und glaubt mir: Ich habe noch nie so viele intensive Farben und Glitzer an einem Ort gesehen! Und ich komme aus dem Karneval!!! 😉

Der Fauxpas erfolgte jedoch in Budapest! Am Niederrhein sagt man zu Menschen wie mir: „Dich kann man echt nicht für Gut mitnehmen!“ 😉 Auf der Suche nach den kleinen Bronzefiguren des Künstlers Mihály Kolodko, die sich über die gesamte Stadt erstrecken, kommt man an ungeahnte Orte, die nicht als Hotspot gelten. Die GPS-Daten im Netz sind hier und da etwas ungenau. Zusätzlich die Figuren echt mini – da können ein paar Meter Differenz schon eine Sichtung ausmachen oder nicht. Somit sind Andre und ich zu tief an der Donau entlang gelaufen, wo auch noch ein dicker Wasserablauf in den Fluss unseren Weg kreuzte. Andre (als guter Deutscher mit seinen Wanderschuhen) durchquerte die Algenfläche als wäre es ein Kinderspiel. Ich mit meinen Sneakern hatte einen einzigen Fuss hineingesetzt und lag mit dem Hosenboden im Wasser und Dreck. Aber: Keine Kamera war zerdeppert oder nass. Und was musste ich mir anhören? „Na toll. Jetzt traue ich mich nicht mehr, mich mit Dir zu zeigen! Du siehst aus wie ein Penner, der sich in die Hose gemacht hat!“ Auch hier: Danke für nichts 😉

 

Also: Pech auf ganzer Linie mit der Revueflex 1001 – sei es technisch oder persönlich 😉

Aber hey… Die Fotos sind doch wirklich gut geworden! 🙂

 

Und ja, wir wissen es: Ein richtiges Battle sieht anders aus…! Mit den gleichen Einstellungen am selben Motiv. Unsere Revueflexen waren eher gemeinsame Reisebegleiter 😉

 

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