Konica Big Mini BM-201 – die kleine Große?
Irgendwie verblüffend. Wenn man sich heute die kleine Konica, mit bürgerlichen Namen Konica Big Mini BM-201 so anschaut, kann man kaum glauben, dass dieses Gerät im selben Jahr auf den deutschen Markt kam, in dem 1990 die Mauer in Berlin fiel.
Damals war ich noch sehr jung, aber stolzer Besitzer einer Stereoanlage mit integriertem Plattenspieler und Doppelkassettendeck des Herstellers Grundig. Heute würde der „All-in-one“-Grundig-Kubus optisch extrem veraltet aussehen. Einfache billige Technik mit ein paar blinkenden Dioden.
Die Konica Big Mini BM-201 wirkt für ihr Alter nahezu zeitlos. Zwar befindet sich auf dem vorderen Metallüberzug eine Beule und es gibt hier und da ein paar Abnutzungen, doch das Design würde bei einer heutigen Renaissance bestimmt sehr ähnlich ausfallen. Mit einer Power- und Auslösetaste auf der Oberseite sowie mehreren Tasten für Modus, Timer und Rücklauf auf der Rückseite, die alle im Gehäuse verschwinden, wirkt sie edel, kompakt und vielversprechend. Ihre Größe und Form ähnelt einer Mischung aus Kassettenhülle und einem Stück von Omas klassischer Handseife. Sie liegt zumindest gut in der Hand.
Nach dem Einlegen einer CR123A-Batterie und einem ersten emotionsfreien Druck auf die Power-Taste erfolgte dann auch die schnelle Wiederbelebung. Das Objektiv der Konica Big Mini BM-201 fährt sehr geräuschintensiv aus dem Gehäuse – kein Vergleich mit den leisen Motoren von heute. Ein mehrfaches Ein- und Ausschalten sollte demnach, wenn man sich vor bösen Blicken schützen möchte, nicht in einer Kirche, einer Bibliothek oder während irgendeiner Schweigeminute durchgeführt werden.
35mm Brennweite bei f.3,5 sind sicherlich keine herausragenden Spitzenwerte. Aber es ist eine gutmütige Konica Linse mit Sky-Light Filter die auch bei leicht bewölkten Tagen keine nennenswerte extremen schlechten Ergebnisse liefert.
Interessanterweise war die Konica Big Mini BM-201 von Beginn an keine billige Point & Shot Knipse. Vielmehr handelte es sich bei diesem Fotoapparat bewusst um eine edlere Ausführung im Massenmarkt. Nachdem sich Konica aus dem Segment der Spiegelreflexkameras zurückgezogen hatte, wurde sie 1989 als kleinste vollautomatische Auto Fokus Kompaktkamera der Welt mit DX-Funktion vorgestellt. Ob sie damals wirklich die kleinste war, kann ich nicht beweisen. Bewiesen ist jedoch, dass sich die BM-201 als Kultkamera durchgesetzt hat.
Trotz unserer Zeiten von Social Media und sonstigen Internetphänomenen ist es mir jedoch sehr fraglich, ob die heute geforderten horrenden Preise in irgendeiner Form zu rechtfertigen sind. Es bleibt aber spannend in unserer heutigen Konsumwelt. Ist der Hipster erst einmal angefixt, wird aus einem besseren Flip-Flop schnell die „heilige Sandale“
Hipster hin, Hipster her … Auch ich folge dem heiligen Relikt der Influencer, füttere meinen edlen Begleiter mit einem 200er Discounterfilm und durchstreife die Landschaft auf der Suche nach dem Spot auf der anderen Uferseite – genau der Seite, wo das Gras bekanntlich immer grüner ist.
Die Konica Big Mini BM-201 macht in der Praxis eine gute Figur. Sie ist zuverlässig und aufgrund ihrer Bauart liegt sie gut in der Hand. Die kleinen Tasten auf der Rückseite sind hingegen nur bedingt zu Händeln. Hier ist es ratsam einen Stift mit auf der Reise zu haben. Die neue Batterie hat so gut wie nichts verbraucht. Auf dem rückseitigen LCD-Display bleiben alle Balken des Batteriesymbols erhalten.
Die Nutzung des Apparates erfolgt wie in den meisten Fällen bei Point & Shoot Kameras wie folgt: Das Objekt im Kreis des Suchers anvisieren, den Auslöser halb betätigen, bis eine grüne LED blinkt, und dann auslösen. Das Beladen, das weitere Aufziehen sowie das Rückspulen des Films übernimmt der Motor.
Die Bilder entsprechen meinen Erwartungen. Sie sind nicht herausragend, aber auch nicht schlecht. Alles ist solide, es gibt jedoch keine Highlights. Bei der Makrofunktion sollte man allerdings darauf achten, den Abstand von 0,35 m nicht zu unterschreiten. Da ist die Big Mini echt pingelig. Ob die Negative zu schlecht von mir eingescannt wurden, der Drogeriemarkt meines Vertrauens wieder einmal eine schlechte Leistung bei der Entwicklung abgeliefert hat oder ich den Auslöser manchmal zu schnell betätigt habe, kann ich heute nicht mehr richtig beurteilen. Das hochgelobte, superscharfe und megakontrastreiche Spektakel ist jedenfalls ausgeblieben.
Die Bedienungsanleitung hingegen finde ich richtig lustig. Die piktografische Darstellung ist bei den Asiaten oftmals im Comic-Stil abgedruckt. Doch manchmal ist eine Selbsterklärung nicht selbsterklärend genug. Vielleicht kann einer der Leser die Bedeutung der Anleitung erklären und verraten, warum die Konica Big Mini BM-201 sich vor der muskelzeigenden Formalin- und Naphthalinwolke fürchtet. 😂🤣
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Fazit: Die „Kleine Große“ Konica Big Mini BM-201 hat ihren Namen durchaus verdient, wenn es um Haptik, Technik und Optik geht. Die Bildqualität ist meiner Meinung nach nicht herausragend und setzt sich nicht von günstigeren Modellen ab. In der untersten Preisklasse gab es schon bessere Überraschungen. Wer jedoch ein Kultobjekt sein Eigen nennen möchte, macht mit der Konica Big Mini BM-201 nichts verkehrt
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